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Bildung

Neben Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation steht die Qualifikation im Zentrum der Schule. Der Fortgang ist durch jahrgangsbasierte Lehrpläne geprägt. Anstelle der lehrzentrierten Arbeitsweise wird die Zukunft eine lernzentrierte Methodik sein. Nur so ist eine volle Leistungsentfaltung möglich und nur wird lebenslanges Lernen sinnvoll gelebt.

Der Schulkanon könnte zwar nach dem Meister-Schüler-Prinzip vermittelt werden. Doch die Dynamik und Innovationsgeschwindigkeit globaler Märkte fordern die Fähigkeit sich aus eigener Kraft neues Wissen zu erobern, selbständig und eigenverantwortlich zu lernen. Der Meister, der Chef, der alles weiß und einem sagt, was zu tun ist, gehört zur Geschichte des Industriezeitalters. Berufe verändern sich permanent, neue Berufe und entstehen und andere verschwinden.

 

Natürliches Lernen

 

Im klassischen Englischunterricht müssen Schüler Vokabel pauken. Dafür können sie mit entsprechenden Pauk-Apps eine praktische Unterstützung erfahren. Viel einfacher wäre es, wenn wir den natürlichen Spracherwerb im Kinderalter nutzen würden. Beim sogenannten Immersionslernen ergänzen englische Muttersprachler das Erzieherteam im Kindergarten und der Grundschule. Sie reden durchgängig mit den Kindern auf Englisch. Ein Kind, das mit drei Jahren auf diese Weise beginnt, Englisch zu lernen, ist mit acht Jahren auf praktisch dem gleichen Niveau wie ein britisches Kind. Die traditionelle Methode fängt erst dann mit einer zweiten Sprache an, wenn das Sprachfenster geschlossen ist. Was für eine Verschwendung und Missachtung natürlicher Fähigkeiten! Die kindorientierte Methode achtet die Biologie eines Kindes und seine Entwicklung.

Individuelles Lernen

 

Die Mathematik wiederum hat ganz andere Anforderungen. Es sind immer die gleichen Probleme, die die Mathematik so schwierig macht. Der Stoff in der Mathematik baut aufeinander auf. Wer einmal nicht mitkommt, dem fehlt ein Baustein in dem Mathematikgebäude. Fehlen mehrere Bausteine oder ein zentraler Baustein, dann stürzt das ganze Gebäude zusammen. Nun hat jeder Mensch mal bessere und mal schlechtere Zeiten. Das gilt erst recht für Kinder in der Entwicklung, zumal über eine so lange Schulzeit. In Deutschland und vielen anderen Ländern wird der Unterricht nach Lehrplan wie im Fließbandtakt durchgezogen. Das System produziert zwangsweise Versager.

 

Ein Lernprogramm für Mathematik auf dem Computer wäre segensreich. Jeder Schüler lernt dann individuell nach seinen Möglichkeiten mit dem Programm. Dieses kann gleich das zweite Problem beheben. Wenn Schüler Fehler in der Mathematik machen, dann ist die Ursache meist eine falsche Idee. Beispielsweise addieren manche Schüler die Brüche analog zur Multiplikation, addieren also jeweils die Zähler und Nenner. Und sie fallen selbst nach einer Erläuterung oft in den alten Fehler zurück. Ein Computerprogramm kann einen solchen Fehler und seinen wahren Grund leicht erkennen. Hartnäckig wiederholt es passende Aufgaben, um Schwächen und Lücken zu beseitigen.

 

Mathematikversagern in der Schule fehlt es nicht an Talent, sondern sie sind ein Versagen des Systems. Die Digitalisierung des Mathematikunterrichts ist eine Chance für Lernen im individuellen Rhythmus, für einen individualisierten Unterricht. Menschliche Lehrkräfte sind deshalb nicht überflüssig. Computer sind nicht dazu da, Lehrermangel zu beheben, sondern die Qualität des Unterrichts zu steigern. Denn das ist der Dreh- und Angelpunkt für die Leistungsfähigkeit einer Schule: Wie kann der Unterricht noch besser werden?

 

Die wahren Ursachen von Schulschwierigkeiten zu diagnostizieren, ist eine weitere nützliche Hilfe des Computereinsatzes und von KI-Programmen. Lehrkräfte sind mit der Vielfalt an möglichen Diagnosen oft überfordert. Manche Lehrkräfte machen es sich dann einfach und erklären einem Schüler "das kannst du nicht" oder gar "dafür bist du zu dumm". Gerade bei der Mathematik sind sich Lehrkräfte wie Eltern oft einig, dass das Kind "dafür halt ungeeignet sei". Das ist in der Regel schlicht falsch. Die Schulmathematik kann jedes Schulkind lernen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie.

Erfolgreiches Lernen

 

Die Digitalisierung bietet die Chance, Strukturen zu schaffen, die auf den Einzelnen eingehen. Menschen können im eigenen Rhythmus lernen und arbeiten und damit ihre Möglichkeiten besser ausschöpfen. Der Takt des Industriezeitalters weicht dem Rhythmus des Lebens. Aus Lehrplänen für einen Jahrgang werden individualisierbare Lernmodule. Aus Fachsilos werden fachübergreifende Pädagogikteams. Lebenslanges Lernen, die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, wird Teil des Berufes werden. Die Individualisierung ist eines der zentralen Muster der digitalen Revolution.

 

Brauchen wir also Computer in den Schulen? Die Frage ist falsch. Die richtige Frage ist: „Wie wollen wir unterrichten?“ Der Computereinsatz kann viel Nutzen stiften. Aber es ist wie in jedem Unternehmen auch, dass sich die unterstützende Wirkung nur dann entfalten kann, wenn die Rahmenbedingungen dafür stimmen. Zu diesen Bedingungen gehört auch eine professionelle Betreuung der Technik, ihre Standardisierung und die Einbeziehung möglichst vieler Schulen in einem Technikverbund, um Skalierungseffekte zu nutzen. Home Schooling ist dann keine Herausforderungen, sondern Teil eines flexiblen Lernens. Aber das sind nicht die eigentlichen Themen, sondern ist „nur“ die grundlegende Infrastruktur. Doch leider fehlt es an manchen Schulen schon am einfachsten, etwa einem ausreichendem Internetzugang.

 

 

 Fazit 

 

Das Wissen um einen besseren Unterricht, um lernzentrierte und schülerorientierte Methoden sind längst bekannt. Aber das Beharrungsvermögen in der Schulbürokratie, Elternschaft und Politik ist wirkungsmächtiger. Sie kennen es nicht anders. Die FDP verheddert sich in Zuständigkeiten zwischen Bund und Länder, Digitalisierung als Selbstzweck und Finanzierungsfragen.​

 

Aufgabe der FDP ist es, Schule neu zu denken und das individuelle Lernen an den Ausgang der Überlegungen zu stellen.
 

Inhalte und Themenauswahl sind ausdrücklich keine Vorgabe und auch nicht Teil des Antrags, sondern sollen die erforderliche Debatte illustrieren.

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